Die 3 Arten von Ernährungssonden & ihre unerwünschten Begleiterscheinungen







Wie funktioniert die Sondenentwöhnung?







8 Gründe, warum Eltern die Sondenernährung Ihrer Kinder fortsetzen



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Wenn medizinische Experten in Erwägung ziehen, Ihrem Kind temporär eine Ernährungssonde zu legen, haben Sie wahrscheinlich Fragen zum Prozess, den Begleiterscheinungen und Konsequenzen, und wie lange die Sonde verwendet wird. In diesem Artikel geben wir Hintergrundinformationen über die typische Implementierungsweise und „Erhaltungsphase“, nennen Entwöhnungsmöglichkeiten und informieren Sie über alle möglichen Aspekte dieser Intervention. So zieht Ihr Kind die bestmöglichen Nutzen aus dieser therapeutischen Maßnahme.

1. Die Sondenlegung
Eine Ernährungssonde ist ein dünner Plastikschlauch, der über eines der Nasenlöcher (nasogastrische Sonde) oder direkt in den Magen (Gastrostomie) oder Darm (Jejunalsonde) gelegt wird, um ausreichend Nahrung zur Unterstützung von Wachstum und Entwicklung zu verabreichen. Zu diesem Zeitpunkt nimmt das medizinische Team Ihres Kindes an, dass die Sondenlegung keine dauerhafte Maßnahme sein wird, sondern eine vorübergehende, vielleicht wenige Wochen oder Monate dauernde Maßnahme. In den meisten Fällen werden die individuelle Krankheitsgeschichte, der Wachstums- u. Entwicklungsstand und der Bedarf nach ausreichender Nahrungszufuhr die Hauptgründe für diese Überlegung sein.

Die tatsächliche Implementierung der Sonde hängt von der Art der Sonde ab. Je nach Sondentyp braucht Ihr Kind möglicherweise eine kurze Vollnarkose, wonach dem Kind zusätzliche Nahrung über die Sonde verabreicht werden kann. Die Sonde selbst verursacht keine Schmerzen, es kann jedoch anfangs zu Irritationen kommen, die aber meist nicht lange anhalten. Alle zusätzlichen Einzelheiten: Fütterzeiten, benötigte Nahrungsmengen und die genaue Sondennahrung werden Ihnen von Ihrem medizinischen Team genannt. Bitte gehen Sie sicher, alle möglicherweise auftretenden Fragen zu stellen, bevor die Sonde gelegt wird, sodass Sie gut informiert sind und Ihr Kind unterstützen können.

2. Die Erhaltungsphase
Das medizinische Team Ihres Kindes sollte aus mindestens zwei Experten bestehen, die für eine festgelegte Zeit und Phase der Sondenernährung verantwortlich und zuständig sind. Normalerweise wird das der Kinderarzt oder der Hausarzt Ihres Kindes sein und jemand aus dem paramedizinischen Team. Sie und Ihr Kind sollten vor der Sondenlegung den Arzt bwz. die Ärzte Ihres Kindes aufsuchen, um einen Plan für die „Erhaltungsphase“ (Nachsorge und Ernährungsoptimierung in der Zeit zwischen der Sondenlegung und der Entwöhnung) und die Entwöhnung zu besprechen. Der Arzt wird die Effizienz der Sondenernährung auf medizinischer sowie ernährungs- und wachstumsbezogener Ebene überprüfen. Alle funktionalen Auswirkungen auf den zugrundeliegenden Gesundheitszustand Ihres Kindes und mögliche notwendige Therapiemaßnahmen müssen genau geprüft werden. Wenn Sie unerwünschte Begleiterscheinungen — wie z.B. wiederholtes Erbrechen, Würgen, Hautirritationen oder Schmerzen — bemerken, sollten Sie diese schnellstmöglich melden.

Das zweite Mitglied des Teams, das Sie in der „Erhaltungsphase“ betreut, wird höchstwahrscheinlich ein Logotherapeut, ein Beschäftigungstherapeut, ein Psychologe oder ein Ernährungsberater sein, der seine klinische Expertise und Aufmerksamkeit auf entwicklungsbezogene Aspekte richtet und mit Ihnen gemeinsam einen individuellen Plan zur Unterstützung Ihres Kindes ausarbeiten wird. Die meisten Kinder bekommen während dieser Phase der Sondenernährung kleine Mengen an Flüssigkeiten speziell für die Geschmacksstimulation oder sogar oral etwas Nahrung. Das hängt von der Grunddiagnose und dem Gesundheitszustand ab, muss aber immer genau besprochen werden, da es besonders wichtig ist. Dieser Plan zur Unterstützung wird dabei helfen, die orale Aktivität aufrechtzuerhalten, Ihrem Kind die Erfahrung von selbstmotivierten Aktivitäten und positiven Eindrücken zu ermöglichen, und dabei einen Bezug zum Sättigungsgefühl herzustellen, obwohl das Kind vorwiegend über die Sonde ernährt wird.

3. Die Sondenentwöhnung
Wenn eine Ernährungssonde nicht als permanente Maßnahme geplant ist, empfehlen wir, mit dem medizinischen Team Ihres Kindes die angestrebte Dauer der Sondenernährung zu besprechen und einige Ziele und Kriterien für das Beenden dieser Maßnahme zu definieren. Idealerweise sind diese Kriterien Teil des schriftlich festgehaltenen Plans für die „Erhaltungsphase“ und Entwöhnung.

Abhängig von den angestrebten Zielen und Kriterien wird der Zeitpunkt kommen, an dem es nicht mehr medizinisch notwendig sein wird, die temporäre Sondenernährung fortzusetzen und Ihr Kind darf den Übergang zurück zur komplett oralen Nahrungsaufnahme machen. Diese Phase sollte unter professioneller Aufsicht erfolgen, da Ihr Kind möglicherweise nicht von alleine anfangen wird, zu essen und zu trinken. Es ist wichtig, von Symptomen wie Nahrungsverweigerung oder ständigem Erbrechen zu berichten, da diese den Sondenentwöhnungsprozess beeinflussen können; außerdem kann es sein, dass Ihr Kind zusätzlich therapeutische Hilfe benötigt.

Das medizinische Team Ihres Kindes wird Sie betreuen, sodass Ihr Baby die verpassten Schritte in seiner Essverhaltensentwicklung aufholen kann und die notwendigen Meilensteine und oralen Fähigkeiten in diesem Prozess erlernen kann. Das Kind zum Essen zu motivieren, genug Möglichkeiten zum Essen zu bieten und als Vorbilder zu wirken sind wichtige Elemente in diesem Prozess, jegliche Art des aufdringlichen Fütterns ist hingegen kontraproduktiv.

4. Entwicklungsbezogene & psychologische Probleme & Überlegungen
Jede vorübergehend gelegte Ernährungssonde soll frühestmöglich wieder entfernt werden. Wenn möglich, sollte dies im Alter zwischen sechs und zwölf Monaten passieren. Je älter ein Kind wird, desto größer ist das Risiko, dass das Kind eine Sondenabhängigkeit entwickelt. Die meisten sondenernährten Kinder werden nicht einfach von selbst anfangen zu essen; sie werden etwas zusätzliche Hilfe benötigen und die Eltern werden möglicherweise auch spezifischen, zusätzlichen Rat brauchen. Sondenabhängigkeit ist ein seltener Zustand, bei dem das Kind ohne medizinischen Grund von der Sonde abhängig zu sein scheint. Das kann vorkommen, weil das Kind keine positiven oralen Erfahrungen gemacht hat; an ständiger Sättigung leidet und daher auch die Motivation fehlt, Nahrung zu kosten, zu berühren und haben zu wollen. Dies kann auch passieren, weil das Kind sich selbst als sondenernährtes Kind definiert und das Identitätsgefühl und Wohlbefinden damit zusammenhängt, sondenernährt zu bleiben. Weil Kinder das Essen durch Selbstmotivation und den Ausbau ihrer Essfähigkeiten erlernen, ist es von höchster Wichtigkeit, zu wissen, wie Sie Ihr Kind in diesem Prozess unterstützen können.

5. Unterstützung & Hilfe sind notwending
Sondenernährung ist kein alltägliches Problem und es ist wichtig, dass Sie sich wohlfühlen, gut informiert sind und sich in die Entscheidung, dass Ihr Kind eine vorübergehende Ernährungssonde gelegt bekommen soll, eingebunden fühlen. Diese medizinische Maßnahme soll zur zukünftigen Enwicklung, Gesundheit und zum Wachstum Ihres Kindes beitragen. Die angestrebten Ziele müssen regelmäßig evaluiert werden, um mögliche unerwünschte Begleiterscheinungen zu minimieren. Bitten Sie in jedem Fall Ihr Expertenteam um Hilfe — so kann Ihrem Kind geholfen werden, von der Sondenernährung zu profitieren.

Peter Scheer