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Wir behaupten, dass wir Sondenentwöhnung machen. Wir glauben, dass das stimmt. Was aber ist Sondenentwöhnung?

In der Sondenentwöhnung wird dem Kind (und seinen Eltern) geholfen, essen zu lernen. Nicht mehr und nicht weniger. Dazu gibt’s überall Essen. Es liegt am Boden, es liegt vor dem Kind, das Spielzeug ist Essen und selbst die Windel mit der die Mama, oder der Papa das Kind abwischen, riecht nach Essen. Wenn das Kind auch noch etwas hungrig sein darf, so fühlt es sich wie jeder Mensch, der ein Lokal, oder ein Restaurant betritt, weil er essen will. Die Gerüche, der Geschmack, die Umgebung und die Stimmung der Menschen – alles deutet auf Essen hin. In diesen Lokalen gibt es keinen Fernseher und, wenn es gut geht, ist auch kein Internet verfügbar. Der Geruch und später der Geschmack des Essens ist so gut, dass es einfach Freude macht dort zu sein und sein angeborenes Bedürfnis zu stillen.

difference tube weaning feeding therapy
Viele Kinder, die wir in den Esslernschulen kennenlernen haben zuvor eine Fütterungstherapie gemacht. Diese hat ein anderes Konzept und eine andere zugrundeliegende Philosophie. Während die Sondenentwöhnung dem Individuum helfen will innerhalb seiner Individualität und Autonomie Freude am Essen zu empfinden, Freude an dem Empfinden eines Bedürfnisses und an der Bedürfnisbefriedigung, so hat die Fütterungstherapie das Konzept, dass das Kind nicht essen kann, oder so sehr nicht will, dass man ihm aktiv helfen muss. Daher ist der Ansatz der Fütterungstherapie einer, der in vielen Therapien eine Rolle spielt. Der Therapeut weiß wie es richtig geht. Er/sie weiß, dass man in den Mund greifen muss. Er/sie weiß, dass man zum Beispiel mit einem brummenden Instrument die Wange berühren muss und dass, wenn die Therapie gelingt, das Kind dann den Mund aufmacht und isst.

Diese kleinen Bemerkungen sind nicht gegen die Fütterungstherapie gerichtet. Ihr Vorteil ist, dass die Eltern die Verantwortung abgeben können und der/die Therapeutin ihnen sagt was zu machen ist. Es werden Übungen gezeigt und angewandt, die sicher vielen Kindern helfen. Wir bei Notube sehen natürlich nur die Kinder, denen die Fütterungstherapie, die eine lange Geschichte und viele Erfahrungen hat, nicht geholfen hat. Wir sind daher natürlich gegenüber der Fütterungstherapie skeptisch eingestellt. Wir haben es lieber, den Weg des Kindes und seiner Eltern zu begleiten. Weniger einzugreifen und weniger anzusagen. Eine unserer Teammitglieder, Eva Kerschischnik, hat die Ausbildung zu einer Castillo-Morales Therapeutin gemacht. Diese Ausbildung passt ausgezeichnet in unser Konzept. Dr. Castillo-Morales will ebenfalls mit Eltern und Kindern lernen. Er beobachtet und gibt zarte Hinweise wie man den Weg aus einer Sackgasse finden könnte.

Sondenentwöhnung macht das Gleiche. Eltern und Kinder kommen zu uns auf elektronischem Weg, weil sie in eine Sackgasse geraten sind. Entweder das Kind ist weiterhin sondenernährt, obwohl es aus medizinischer Sicht schon essen dürfte; oder das Kind isst nur sehr wenige Speisen und die Eltern und deren Ärzte sind besorgt, dass das Kind eine Mangelerkrankung erleiden könnte. In dieser Situation gehen die Sondenentwöhnung und die Fütterungstherapie auseinander. Während im Rahmen der Sondenentwöhnung dem Kind weniger über die Sonde gegeben wird oder die Nahrungsmittel zumindest reduziert, wenn nicht gestrichen, werden, würde die Fütterungstherapie darin bestehen, am Mund des Kindes, allenfalls an seiner Haltung beim Essen und vielleicht auch noch an der Atmung und Sprache zu arbeiten.

Deshalb sehen wir beide Ansätze als verschiedene Wege zu einer Heilung an. Wir können die Füttertherapie schlecht mit unserem Konzept vereinen. Zu sehr legen wir auf die Autonomie des Kindes und die freie Entscheidung der Eltern Wert. Wir finden, dass jedes Kind – auch das behinderte – seinen eigenen Weg zum Essen finden kann und muss. Wir lehnen daher „Zwangsfütterung“ ebenso ab, wie Manipulationen am Mund, die das Kind überwältigen, oder in Panik versetzen. Wir wollen, so oft uns das gelingt, Eltern einen Weg aus vielen gescheiterten Versuchen ermöglichen und sie dabei liebevoll und manchmal streng begleiten.

Fütterungstherapie mit Eingriffen in die kindliche, oder elterliche Autonomie passen da nicht dazu. Ebenso haben wir keinen „Geräte“, wie man sie aus der Logopädie kennt. Vibratoren, Stimulatoren – das alles kennen wir, verwenden es aber nicht, weil es nicht zu uns passt.

Familien, die sich für uns entscheiden sollten wissen, dass sie daher von einem bisherigen Konzept, dass sie zum Beispiel von einer Logopädin bekommen haben, abweichen. Wir wünschen uns die Größe und die der bisherigen Behandlerinnen die Familien auf diesem Weg, bei diesem neuen Versuch, zu begleiten und zu ermutigen. Mag sein, dass wir ebenfalls erfolglos bleiben – ein neuer Versuch von der Fütterungstherapie zur Sondenentwöhnung ist immer angezeigt, so wie auch wir bei einer Entscheidung in die andere Richtung gerne liebevolle Begleiter der Familien sind.

 

Peter Scheer