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Mahlzeiten bieten multisensorielle Erfahrungen. Die meisten Menschen nehmen es als selbstverständlich wahr, sich für eine Mahlzeit hinzusetzen – sei es um gemeinsam zu essen oder um etwas zu feiern, ganze Urlaube drehen sich um gemeinsame Mahlzeiten. Dass unser Körper dabei quasi an einem Marathon teilnimmt – er integriert und beeinflusst gleichzeitig den sensorischen Input während der Mahlzeit – ist uns oft nicht bewusst. Sie können sich vielleicht an Momente erinnern, in denen sich Ihr ganzer Körper zusammenzog weil Sie der saure Geschmack einer Speise überraschte oder dass Sie das Kauen eines Kartoffelchips, mit Kopfschmerzen verbunden, als zu laut wahrnahmen – oder erinnern Sie sich an jene Mahlzeiten bei denen der Tisch bereits so gefüllt war, dass man kaum Platz für seinen eigenen Teller fand? All das sind sensorische Erfahrungen. Viele Kinder, die diese Erfahrungen machen, haben Probleme damit Informationen entsprechend herauszufiltern. Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die sensorischen Erfahrungen während der Nahrungsaufnahme werfen, um zu verstehen, wie sie das kindliche Erleben der Mahlzeiten beeinflussen können.

Visuell: Wir alle kennen es: Eine Mahlzeit, die in der Speisekarte verlockend klang und mit wundervollen Zutaten versehen ist, wird serviert: undefinierbare, in Sauce schwimmende Klümpchen. Die visuelle Darbietung der Speisen darf nicht unterschätzt werden. Selbiges gilt für Kinder. Denken Sie an Farbkombinationen, Form und Größe der Nahrungsmittel wie auch an den Teller auf dem das Essen serviert wird. Das kann durchaus überwältigend sein. Viele Kinder finden es zum Beispiel schwierig, ein Gericht zu essen, bei dem die einzelnen Zutaten nicht identifizierbar sind sondern zusammengemischt wurden.

Taktil: Das Anfassen der Nahrung kann unsere Erfahrung des Essens beeinflussen. Unsere Haut enthält unzählige Nervenenden, die die Information zu unserem Gehirn weiterleiten. Viele Kinder zerquetschen oder verschmieren das Essen um diese taktilen Erfahrungen zu machen bevor sie bereit sind, das Essen in ihren Mund zu nehmen. Klebrige oder andere Konsistenzen an den Händen zu tolerieren ist ein großartiger erster Schritt um diese später im Mund zu akzeptieren.

Geruch: Mmmh, frisch gebackene Kekse oder Brot, Erdbeeren, gegrilltes Gemüse… unser olfaktorisches System ist sehr eng mit Erinnerungen und Emotionen verbunden. Kinder müssen diese Assoziationen erst machen und benötigen dafür multiple Erfahrungen mit neuen Nahrungsmitteln. Diese Assoziationen wirken sowohl in die positive als auch in die negative Richtung – es ist wichtig, dies während dem Kochen im Hinterkopf zu behalten. Der Geruch einer Mahlzeit kann noch im Haus verbleiben wenn diese bereits beendet ist. Dies kann eine angenehme Erfahrung sein, aber für jene Menschen, die diesbezüglich sensibel sind, kann es den Appetit für die nächste Mahlzeit hemmen. Der Geruch von Nahrungsmitteln kann sogar an den Händen des Kochs verbleiben! Bitte vergessen Sie auch nicht die enge Verbindung zwischen Geruch und Geschmack.

Gehör: Eine Mahlzeit in einem vollen Restaurant mit Hintergrundmusik und Menschen, die brüllen oder laute Konversationen führen, einzunehmen, kann die Nahrungsaufnahme für die meisten von uns erschweren. Für manche Kinder kann es das Essen sogar verunmöglichen! Die Hörerfahrung bezieht sich nicht nur auf die Außenwelt, aber auch auf die Geräusche, die Nahrungsmittel beim Essen machen. Charles Spence, Leiter des Crossmodal Research Laboratory am Department für Experimentelle Psychologie an der Universität von Oxford erforschte den Einfluss von Geräuschen auf unsere Erfahrungen mit Essen. Dieses als “sonic seasoning” bezeichnete Phänomen kann sogar unsere Geschmackserfahrungen während der Mahlzeiten beeinflussen. Sogar Hintergrundgeräusche können sich auf diese auswirken, Spence denkt, dass dies der Grund sein könnte, warum Tomatensaft das in Flugzeugen am häufigsten bestellte Getränk ist. Wenn Ihr Kind Ess- oder Fütterprobleme hat, wird oft übersehen, wie wichtig die Umgebungsgeräusche in diesem Zusammenhang sein können.

Geschmack: Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Geschmack von Nahrungsmitteln wichtig ist. Die Wahrnehmung von Geschmack ist eine multimodale Erfahrung und wird stark von den Rezeptoren in der Nase beeinflusst. Forscher haben 5 verschiedene Geschmacksrichtungen identifiziert: süß, sauer, salzig, bitter und umami, und haben herausgefunden, dass die Gesichtsausdrücke und das Verhalten bereits sehr junger Kinder von den Geschmackserfahrungen beeinflusst werden. Man hat den Babys hierfür verschiedene Geschmäcker auf die Zunge gegeben: bei süßem Geschmack reagierten die Kinder mit einem “Lächeln”, sauer führte zum Spitzen der Lippe, bitter zum Würgen oder sogar Erbrechen. Man darf auch nicht vergessen, dass der Geschmack einer Speise die Wahrnehmung des Geschmacks der nächsten aufgenommenen Speise beeinflussen kann. Der Geschmack eines sauren Getränks ist nach der Aufnahme eines süßen Kuchens viel intensiver. Und außerdem ist da wieder der Zusammenhang zwischen Geschmack, Geruch und Erinnerung. Kinder, die etwa an Reflux litten, verweigern oft Milchnahrung da sie der Geschmack und/oder der Geruch an das Erbrechen erinnert.

Tiefensensibilität und Gleichgewichtssinn

Zwei Sinne, die oft nicht mit Mahlzeiten in Verbindung gebracht werden, sind die Tiefensensibilität und der Gleichgewichtssinn. Nichtsdestotrotz sind diese sehr wichtig und können unsere Erfahrung beeinflussen. Propriozeption/Tiefensensibilität bezieht sich auf die Wahrnehmung wo man sich in der Welt befindet, der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Dinge um einen herum. Das vestibuläre System ist für das Gleichgewicht verantwortlich und beeinflusst auch die Koordination der Augen. Wie beeinflussen diese Systeme also die Nahrungsaufnahme?

Tiefensensibilität: Haben Sie je darüber nachgedacht, wie die Gabel “weiß” wo Ihr Mund ist und nicht in Ihrer Wange landet? Propriozeption hilft Ihnen, Ihren Körper durch die Umgebung zu navigieren. Sie hilft dabei, zu wissen, wie weit man den Arm strecken muss um das Milchglas zu erreichen, wie Sie Ihr Handgelenk beugen müssen, um daraus zu trinken, und wie Sie es am Tisch abstellen ohne etwas zu verschütten. Propriozeption bezieht sich auch auf die Wahrnehmung wo sich die Nahrung in Ihrem Mund befindet, dies geschieht über Nerven in Ihren Wangen, auf Ihrer Zunge und sogar in Ihren Zähnen! Wenn dieses System nicht genug ausgebildet ist oder nicht entsprechend arbeitet, kann die Nahrung im Mund des Kindes “verloren gehen” und den Kindern fällt es schwer, diese zu finden, diese Erfahrung kann sehr stressig sein. Zum Glück kann man dieses System mit Training beeinflussen, indem man Kindern Nahrungsmittel zur Verfügung stellt, die viel propriozeptiven Input geben. Beispiele hierfür wären saure Nahrungsmittel oder knusprige Nahrungsmittel oder solche, die man intensiv kauen muss (zB Gummitiere).

Gleichgewichtssinn: Wir vergleichen Mahlzeiten mit einem Kleinkind oft mit einem Akt der Balance. Nun, das ist nicht nur metaphorisch zu betrachten! Aufrecht auf einem Sessel zu sitzen ist ermüdend und Kinder befassen sich oft viel weniger mit den Nahrungsmitteln ohne die richtige Sitzposition. Um Aufgaben wie das Kauen zu erfüllen, benötigen wir eine stabile Basis, ähnlich wie bei feinmotorischen Aufgaben wie schreiben oder zeichnen. Wenn wir auf unserem Stuhl wackeln, sind die Buchstaben oft unleserlich, und wenn wir am Tisch wackeln, kann das Essen ermüdend oder sogar unmöglich werden. Wenn wir Erwachsene bitten, auf einem wackeligen Barhocker ein 5-Gänge-Menü zu sich zu nehmen, werden wir diese wahrscheinlich mit den Füßen um den Barhocker geschlungen finden, um Stabilität zu erreichen. Dies gilt auch für Kinder. Stellen Sie angemessene Sitzgelegenheiten zur Verfügung, bei welchen der Oberkörper unterstützt wird und die Füße abgestellt werden können, etwa auf einem Schemel, oder auf einem Stoß aus alten Telefonbüchern oder Katalogen. Dies kann die Aufmerksamkeit während den Mahlzeiten sowie die Fähigkeit zu Kauen und zu schlucken positiv beeinflussen.

Zum Schluss noch einige Empfehlungen: Lassen Sie die Kinder ausgiebige Erfahrungen machen während denen sie alle ihre Sinne benutzen um neue Nahrungsmitteln kennen zu lernen. Entfernen Sie den Waschlappen und lassen Sie sie die Hände benutzen um die Nahrung zu fühlen. Nehmen Sie die Kinder in die Küche mit um sie Teil der Nahrungszubereitung sein zu lassen. Entdecken Sie die Vielzahl der Farben und wie sich diese verändern wenn die Nahrungsmittel gekocht werden. Achten Sie auf eine gute Sitzposition damit die Kinder all ihre Energie auf das Entdecken der Nahrungsmittel mit allen Sinnen verwenden können.

Guten Appetit!

Marion Russell