8 Gründe, warum Eltern die Sondenernährung Ihrer Kinder fortsetzen








Die Auswahl eines Sondenentwöhnungsprogramms








Wie NoTubes Esstherapien finanziert werden können




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Kaum ein Aspekt der Sondenentwöhnung wird so heiß diskutiert wie die Reduktion der Nahrungsmenge. Sollte diese überhaupt stattfinden und wenn ja, in welchem Ausmaß und wie rasch sollte sie erfolgen?

Grassierende Mythen wie “das Kind wird furchtbar leiden” über “die weitere Entwicklung wird beeinträchtigt sein” bis hin zu “es kann zu lebenslangen Folgeschäden aufgrund der Mangelernährung kommen” führen bei den ohnehin schon belasteten Eltern zu Zweifel und Sorge und verhindern oftmals die mögliche und notwendige Umstellung von enteraler auf orale Ernährung. Doch wieviel Wahrheitsgehalt liegt wirklich in diesen Aussagen, was ist zu beachten?

Hierzu die wichtigsten Informationen zum Thema aus Expertensicht:

1. Hunger spüren ist eine Grundvoraussetzung für das Essenlernen!
Basierend auf unserer jahrzehntelangen Erfahrung mit Hunderten von sondierten Kindern bleibt zu sagen: Ohne Hunger geht es nicht! Stellen Sie sich vor, dass Ihnen wenige Minuten nach einem opulenten 6-Gänge-Menü ein XXL Sahneeisbecher angeboten wird, Ihre Begeisterung für den Verzehr dürfte sich in Grenzen halten. So fühlen sich vollsondierte Kinder bei nahezu jedem oralen Nahrungsangebot, bestenfalls fühlen Sie sich nur gesättigt, schlimmstenfalls bis zum Erbrechen voll. Um also überhaupt Interesse am Essen zu erwecken ist es notwendig, dass das Kind hungrig wird, was mit einer Reduktion der Sondennahrung einhergeht.Unterschied zwischen Hunger haben und hungern

2. Hunger haben ist nicht das selbe wie hungern!
Dies ist ein wesentlicher Aspekt. Ein Kind sollte Hunger spüren, erkennen und lernen, was es dagegen tun kann. Dabei soll es aber nicht leiden, Schmerzen haben oder sich gar in seinem gesundheitlichen Zustand verschlechtern! Deshalb sollte die Reduktion der Sondenernährung unter Supervision von Experten erfolgen, eine kalorische Basisversorgung und ausreichende Hydration des Kindes muss aber zu jeder Zeit gewährleistet und vom Fachpersonal engmaschig überwacht werden.

3. Die Sondennahrungsreduktion muss therapeutisch supervidiert sein!
Ein Reduzieren der Sondennahrung durch nicht-ausgebildete Personen kann gefährlich werden und im schlimmsten Fall zur Beeinträchtigung des Zustandes des Kindes und der Notwendigkeit medizinischer Behandlung führen. Auch eine “Hau-Ruck Aktion” wie “die Sonde wird jetzt gezogen, irgendwann wird das Kind schon essen” kann schlimm und gefährlich ausgehen. Die Reduktion ist eine hoch spezialisierte Vorgehensweise und muss für jedes Kind vollkommen individuell gestaltet werden – basierend auf unterschiedlichen Variablen wie medizinischer Vorgeschichte, Gedeihzustand, oraler Entwicklung.

4. Das Kind muss Erfahrungen mit Nahrungsmitteln machen dürfen wenn es hungrig ist!
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Ein Kind, das Essen lernt, ist in seiner Essentwicklung, ungeachtet dessen, wie alt es ist, wie ein Neugeborenes. Laufende Auseinandersetzung mit Nahrung, häufige kleine Mahlzeiten, leicht handzuhabende Konsistenzen sind wichtig. Riechen, fühlen, spielen… mit Nahrungsmitteln fühlt sich für ein hungriges Kind ganz anders an als für ein gesättigtes!

5. Die Sondennahrungsreduktion kann nicht sofort durch orale Einfuhr kompensiert werden!
Ein Kind, das monate- oder gar jahrelang über eine Sonde ernährt wurde, muss seine gesamte Essentwicklung nachholen. Dies kann nicht innerhalb einiger weniger Stunden oder Tage erfolgen. Daher dauert es einige Zeit bis ein Kind seine orale Nahrungszufuhr steigern wird und die Sondennahrungsreduktion kompensiert.

6. Eine kurzfristige Nahrungsreduktion führt nicht zu Entwicklungsbeeinträchtigung!
Natürlich ist eine ausreichende Ernährung langfristig für das Gedeihen und die Entwicklung wichtig. Eine kurzfristige Nahrungsreduktion beeinflusst die Entwicklung aber nicht negativ – im Gegenteil, Dr. Hannes Beckenbach (Developmental impact of a standardized tube weaning program ) konnte zeigen, dass die meisten Kinder während und nach der Sondenentwöhnung deutliche Entwicklungsfortschritte machen.

7. “Ungesunde” Nahrungsmittel sind während der Sondenentwöhnung wichtig und erlaubt!
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Essen lernen ist mit physiologischen wie psychischen Anstrengungen verbunden. Oft fällt es den Kindern technisch wie motivational schwer, große Mengen zu essen, vor allem, wenn der Mund über lange Zeit kaum benutzt wurde! Daher ist es wichtig, Nahrungsmittel mit einer relativ hohen Nährstoffdichte, aber geringem Volumen anzubieten. “Leere” Nahrungsmittel wie z.B. gewisse Gemüsesorten, obwohl gemeinhin als “gesund” angesehen, sind somit in dieser Phase nicht ideal. Natürlich sollte langfristig der Umstieg auf eine ausgewogene Ernährung erfolgen, für die erste Phase des Esslernprozesses ist attraktive, hochkalorische Nahrung aber das Mittel der Wahl.

All diese Punkte sind wichtig und sollten während der Sondenentwöhnung bedacht werden. Das langfristige Ziel der Sondenentwöhnung ist daher die vollständige, entwicklungs- und alterentsprechende orale Ernährung sowie das adäquate Gedeihen des Kindes. Nach der kurzfristigen Nahrungsreduktion, dem Gewichtsverlust und der aufstrebenden Essentwicklung des Kindes, sollte das Hauptziel in den Monaten nach der Entwöhnung erreicht werden! Bleiben Sie daher Ihrem Kind gegenüber geduldig und stolz, es sind wirklich große Schritte die es bis dahin erreichen muss!

Sabine Marinschek