Die 7 entscheidenden Ängste vor dem Beginn einer Sondenentwöhnung








7 Gründe, Ihr Kind von der Ernährungssonde zu befreien








Die Auswahl eines Sondenentwöhnungsprogramms




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Die intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR = engl. intrauterine growth retardation) bedeutet, dass ein Kind im Mutterleib sein genetisches Wachstumspotenzial nicht erreicht. Dafür gibt es unterschiedliche mütterliche, kindliche und unbekannte Ursachen. Diese Störung betrifft etwa 4-8% aller Ungeborenen und bedarf einer intensiveren Überwachung der Schwangerschaft, da das Risiko für Komplikationen rund um die Geburt deutlich höher ist.  

intrauterine growth retardation

Meist liegen unterschiedliche Risikofaktoren vor und die genaue Ursache ist nicht immer eindeutig. Zu den Hauptrisikofaktoren zählen die Plazentainsuffizienz (Mutterkuchen versorgt Ungeborenes nicht ausreichend mit Nährstoffen) und genetische Anomalien beim Kind. Die Ursachen für die mangelhafte Funktion des Mutterkuchens sind mannigfaltig. Dieser kann zu klein sein, deformiert sein oder andere strukturelle Veränderungen zeigen. Verschiedene Erkrankungen der Mutter wie Mangelernährung, Infektionen, Bluthochdruck, Diabetes bzw. Gifte (z. B. Rauchen, Alkohol, Drogen) können zu einer Minderdurchblutung des Kindes führen. Das Kind bekommt einfach zu wenig von allem: Nahrung, Sauerstoff und alle anderen Stoffe, die es aus der Mutter filtriert. Diese Unterversorgung kann zu einer Stresssituation auf Seiten des Kindes führen.

In der Geburtshilfe gibt es auch den Begriff „SGA“ (engl. small for gestational age). Dieser bedeutet lediglich, dass das Kind zu klein und oder zu leicht für die jeweilige Schwangerschaftswoche ist. Diese Diagnose wird viel häufiger gestellt und ist nicht gleichbedeutend mit einer krankhaften Entwicklungsstörung. Die meisten dieser Kinder sind konstitutionell, also aufgrund der kleinen Größe der Eltern bzw. Großeltern auch kleiner gewachsen. Interessant ist, dass viele dieser Kinder in den ersten zwei Lebensjahren ein sogenanntes Aufholwachstum zeigen.

Werdende Mütter neigen dazu, die Schuld bei sich zu suchen. Ärzte wollen immer die Ursache für ein Problem finden: „Liegt das Problem auf Seiten der Mutter oder des Kindes?“. Diese Frage nach der Ursache und die Antworten darauf können die „Schuldfrage“ verstärken. Gedanken wie: „Habe ich zu wenig Hormone? Bin ich zu dünn oder ernähre ich mich nicht gesund genug? Liegt es am Rauchen? Mache ich zu viel Sport und nehme dem Kind Blut weg?“, können Mütter sehr beschäftigen. Vereinzelt kann das eine oder andere durchaus stimmen. Mütter, die Tabak rauchen, haben statistisch gesehen kleinere Kinder. An sich ist der Mutterkuchen aber kindliches Gewebe und das Kind will leben und wachsen und nimmt sich daher alles, was es braucht. Noch vor Jahrzehnten waren sich Mütter in Europa dessen bewusst und im Volksmund hieß es: „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn!“, weil die Kinder so viel Kalk aus der Mutter herauslösten, dass die Zähne in ihrem Futteral locker wurden.

Intrauterine Wachstumsretardierung

Da die meisten Ursachen der kindlichen Wachstumsstörung nicht therapierbar sind, ist auch die Schuldfrage für die Mutter im Einzelnen nicht förderlich. Jedoch sind diese Ursachen medizinisch/wissenschaftlich interessant und je mehr Wissen es auf diesem Gebiet gibt, desto besser. Es könnte dazu beitragen, dass es in Zukunft neue Therapiemöglichkeiten geben wird.  

Die allermeisten Mütter (in unseren Breiten) schaffen optimale Bedingungen für die Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Dazu gehört eine ausreichende und ausgewogene Ernährung, das Meiden von Giften (Rauchen, Alkohol etc.), Verhinderung von Infektionen und die Einnahme der empfohlenen Vitamine.

Das sogenannte Aufholwachstum (engl. catch up growth) wird fast nur bei Kindern beobachtet, die erst am Ende der Schwangerschaft nicht mehr zunehmen. Meist liegt hierbei eine Plazentainsuffizienz vor. Diese Kinder benötigen eine sehr kalorienreiche Ernährung, um in den ersten Monaten nach der Geburt aufzuholen. In der Tat gelingt ihnen das aber meistens auf natürlichem Weg, also über den Mund. Nur wenige Kinder bekommen eine Ernährungssonde, um die Nahrungsmenge zu steigern. Die Diskussion darüber, ob Kinder schlechtere Entwicklungsaussichten haben, wenn sie langsamer zunehmen, ist widersprüchlich. Die meisten Daten über eine Behinderung der Intelligenzentwicklung wegen Nahrungsmangel stammen aus den Hungergebieten der Welt und sind auf die sogenannten entwickelten Staaten nicht zu übertragen. Daher lösen derartige Prognosen von Ärzten bisweilen Ängste bei den Eltern der betroffenen Kinder aus aber werden in der wissenschaftlichen Literatur nicht bestätigt.

In jedem Fall sollte ein Kind, das eine IUGR hat, sich selbstständig ernähren. Dies schon deshalb, weil die „natürliche“ orale Ernährung meistens besser verträglich ist, weniger Nebenwirkungen verursacht und sogar zu besserer Gewichtszunahme führt.

Hat ein Kind mit IUGR einmal eine Ernährungssonde bekommen, so ist die Unterscheidung wichtig, ob ein Aufholwachstum zu erwarten ist. Das ist nur dann der Fall, wenn das Kind erst im dritten Schwangerschaftsabschnitt betroffen war. Ist das nicht der Fall, so sollte auch nicht durch kalorienreiche Nahrung der Versuch gemacht werden, das Kind dicker zu machen. Das gilt es aber immer mit dem/der zuständigen KinderärztIn zu besprechen.

Nach der Geburt sind die Ziele der adäquaten Gewichtszunahme oft unrealistisch und entsprechen einfach nicht „dem Weg“ des Kindes. Sehr viele Mütter und Familien finden sich in einem Teufelskreis wieder, in dem es nur noch um die Nahrungsaufnahme des Kindes geht. Bei genetischen Erkrankungen wird sehr häufig ein „normales“ Wachstum angestrebt, welches unmöglich zu erreichen ist, da es das genetische Potenzial übersteigt.

iugr2Wir bei NoTube sehen immer wieder Kinder, die eine Ernährungssonde bekommen und große Mengen Sondennahrung verschrieben bekommen, damit sie aufholen. Leider zeigen unsere Studien, dass dieses Aufholwachstum trotz großer Mengen Sondennahrung bei etwa ⅓ der Kinder nicht erreicht werden kann. Die großen Nahrungsmengen führen jedoch zu zahlreichen Nebenwirkungen und das bei keinem bis maximal geringem Nutzen. Daher wissen wir, dass das oft falsch ist und versuchen, die Eltern zu beruhigen und das Kind und seine Familie auf dem Weg, den das Kind vor sich hat, zu begleiten. Unser Weg ist es, einerseits zu klären, ob das Kind aufholen soll/muss und andererseits, die Nebenwirkungen auf Seiten des Kindes und seiner Familie zu berücksichtigen. Ein Kind, das andauernd erbricht wird schlecht zunehmen. Ebenso ergeht es einem Kind, das das Essen ablehnt. Die Eltern dieser Kinder werden bisweilen gedrängt, ihrem Kind mehr zu geben, als dieses vertragen kann. Daher ist es wichtig, in Zusammenarbeit mit den Eltern dem Kind das zu geben, das es verträgt. Wenn das Kind dann Freude am Essen findet, wird sich sein Hunger-Sättigungszyklus in einem natürlichen Kreislauf einstellen. Dabei wollen und können wir helfen.

Peter Scheer