Die 3 Arten von Ernährungssonden & ihre unerwünschten Begleiterscheinungen







8 Gründe, warum Eltern die Sondenernährung Ihrer Kinder fortsetzen







7 Gründe, Ihr Kind von der Ernährungssonde zu befreien



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Obwohl der Terminus „Gedeihstörung“ unter Medizinern überaus gebräuchlich ist, herrscht oft Verwirrung darüber, wie und wann er verwendet werden sollte.

Er dient als Überbegriff für eine Reihe an kindlichen Entwicklungs- und vor allem Wachstumsstörungen und wenngleich die Diagnose „Gedeihstörung“ häufig gestellt wird, handelt es sich dennoch um kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern vielmehr um einen Begriff zur Benennung der vorliegenden Leitsymptome. In der medizinischen Fachliteratur wird zwischen organischer Gedeihstörung (failure to thrive, OFT) und nicht organischer Gedeihstörung (non organic failure to thrive, NOFT) unterschieden, wobei in vielen Fällen eine Synergie aus organischen Ursachen und einer Interaktionsstörung zwischen Betreuungsperson(en) und Kind besteht.

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Für den Begriff der Gedeihstörung beim Kind gibt es unterschiedliche Definitionen. Bei den meisten Kindern entsteht der Verdacht auf Gedeihstörung, wenn bei den Vorsorgeuntersuchungen festgestellt wird, dass das Kind nicht an Gewicht zunimmt. In Großbritannien sprechen Ärzte bei einem Kind meist dann von einer Gedeihstörung, wenn die Gewichtskurve um 2 Hauptperzentilen abfällt (Bei Kindern wird die Gewichtsentwicklung anhand eines international standardisierten Referenzsystems aus Perzentilkurven beurteilt, die auf der Analyse von WHO-Daten über das Verhältnis zwischen Gewicht und Körperlänge bei Kindern aus den USA, Norwegen, Ghana, Indien, Brasilien und dem Oman aufbauen).

In anderen Definitionen der Gedeihstörung spricht man von einem BMI oder Gewicht unter der 5. Perzentile; einer Körperlänge unter der 5. Perzentile; oder einem Verhältnis zwischen Gewicht und Alter/Körperlänge, das den Median um 75% unterschreitet  ̶  auch für diese Referenzwerte wurden die Daten aus Studien mit tausenden von Kindern herangezogen.

Hierbei ist zu beachten, dass die meisten dieser Studien Kinder mit geringem Geburtsgewicht (termingerecht geboren mit unter 2.500g) nicht miteinschließen und für diese Gruppe also irrelevant sind. Weiters gilt es zu beachten, dass LGA-Babys (Babys, die zu groß für ihr Gestationsalter sind) zu durchschnittlichen Werten tendieren, was zu der Annahme verleiten könnte, es läge eine Gedeihstörung vor und das obwohl sie in ihrer Entwicklung eigentlich dem für sie zu erwartenden Trend folgen. Ein guter Arzt wird verschiedene Messsysteme und Referenztabellen berücksichtigen, sich das Kind in einer typischen Esssituation zeigen lassen, feststellen, welche wichtigen Entwicklungsschritte das Kind bereits geschafft hat und wird es auf etwaige Krankheitsanzeichen hin untersuchen, bevor er die endgültige Diagnose stellt.

Failure to thriveVereinfacht ausgedrückt, kann die Gedeihstörung auch als Mangelernährung durch eine unzureichende Kalorienzufuhr beschrieben werden. Diese kann bedingt sein durch eine inadäquate Nährstoffzufuhr, Nahrungsmangel, mangelhafte Nährstoffresorption oder besondere körperliche Bedürfnisse.

Eine geringe Verfügbarkeit von Nahrung kann verschiedene Ursachen haben. Es kann sein, dass die Eltern ihr Kind vernachlässigen oder aus Unwissenheit falsch ernähren, an psychischen Erkrankungen leiden oder in Armut leben.

In der Vergangenheit galt dies als Hauptursache für viele Fälle von Gedeihstörung, doch aktuellere Studien belegen, dass diese Faktoren in weniger als 5% der Fälle ursächlich sind.

Bei manchen Kindern liegen körperliche Ursachen für die Essprobleme vor, wie etwa eine Gaumenspalte, neuromuskuläre Erkrankungen, die das Kauen und Schlucken erschweren oder genetische Störungen wie das Pierre-Robin-Syndrom. Bei vielen der betroffenen Kinder ist eine durch Verhaltens- oder Essstörungen mit polyfaktorieller Ursache bedingte Nahrungsverweigerung der Grund dafür, dass sie zu wenig Nahrung zu sich nehmen. Es ist wichtig, dass die Ursachen erkannt und behandelt werden, bevor die Ernährung mittels Sonde überhaupt in Erwägung gezogen wird.

“Bei Paulina wurde im Alter von ca. 4 Monaten wegen schlechtem Trinkverhaltens von unserem damaligen Kinderarzt eine nasogastrale Sonde gelegt, ohne irgendwelche Voruntersuchungen wieso, weshalb, warum Paulina schlechter trinkt.” (Lesen Sie Paulinas Geschichte hier)

Manche Kinder nehmen genug Nahrung zu sich, ihr Gastrointestinaltrakt (GIT) resorbiert die Nährstoffe jedoch nicht richtig. Die Ursachen hierfür sind oft Erkrankungen wie Zöliakie und andere Lebensmittelallergien, bei denen bestimmte Nahrungsmittel für den Körper unverträglich sind und zu Durchfall führen; sowie das Kurzdarmsyndrom, ein Krankheitsbild, das durch das angeborene Fehlen bzw. (häufiger) durch die operative Entfernung von Teilen des Darms oder Gastrointestinaltrakts bedingt ist; oder eine Pylorusstenose, eine Magenentleerungsstörung bei der es beim Kind aufgrund eines zu großen und zu kräftigen Magensphinkters unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme zu projektilartigem Erbrechen kommt; und Stoffwechselstörungen, bei denen es an Enzymen mangelt, die der Körper zur Resorption oder Verwertung bestimmter Nahrungsbestandteile braucht. Diese Grunderkrankungen manifestieren sich nur selten als reine Gedeihstörung, denn oft zeigt das betroffene Kind auch andere Symptome, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

Die dritte mögliche Ursache für eine Gedeihstörung ist, dass der Körper des Kindes aufgrund einer bestimmten Erkrankung einen gesteigerten Energieumsatz hat. Bei gesunden Kindern beginnt das Gewicht meist dann zu stagnieren, wenn sie mobil werden, wobei sie den erhöhten Energiebedarf in der Regel bald kompensieren können und wieder an Gewicht zunehmen. Eine ähnliche Tendenz kann sich abzeichnen, wenn der Körper des Kindes aufgrund einer Erkrankung mehr Energie verbraucht und das Kind dadurch nur schlecht an Gewicht zunimmt. Am häufigsten ist das bei angeborenen Fehlbildungen des Herzens der Fall. Die betroffenen Kinder erhalten dann zur Steigerung der Kalorienzufuhr als vorübergehende Maßnahme eine Ernährungssonde, damit sie vor der operativen Behebung des Herzfehlers an Kraft gewinnen. Lungenkrankheiten, chronische Infektionen und Erkrankungen der Schilddrüse können ebenfalls mit einer Gedeihstörung einhergehen.

Gedeihstörung

Aktuelle Studien belegen, dass mindestens 80% der Kinder mit Gedeihstörung Essprobleme haben, die durch eine Verhaltensstörung bedingt sind. Einem Kind, das an Gewicht verliert, kann durch Sondenernährung gewiss das Leben gerettet werden. Wir können jedoch nicht oft genug betonen, dass vor der Entscheidung für eine Ernährungssonde in jedem Fall zuerst die Grunderkrankung diagnostiziert und behandelt werden muss. Wenn Sondenernährung notwendig ist, muss die Grunderkrankung während der Erhaltungsphase weiterbehandelt werden und das mit einem klar definierten Behandlungsziel und einem Plan zur Sondenentwöhnung.

Wenn Sie ein Kind mit Ernährungssonde haben, ihr Kind an einer Gedeihstörung leidet oder Ihr medizinisches Team Sondenernährung für Ihr Kind vorgeschlagen hat, können Sie sich gerne jederzeit mit Ihren Fragen und Bedenken an uns wenden –  sei es zu Aspekten der Sondenernährung oder Sondenentwöhnung oder zum Thema Behandlung von Ess- und Fütterstörungen.

Marguerite Dunitz-Scheer