8 Gründe, warum Eltern die Sondenernährung Ihrer Kinder fortsetzen







7 Gründe, Ihr Kind von der Ernährungssonde zu befreien







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Wann ist der beste Zeitpunkt für die Sondenentwöhnung meines enteral ernährten Kindes?

Wenn ein Kind eine Ernährungssonde braucht, weil seine unzureichende orale Ernährung damit kompensiert werden soll, wird die Sonde entweder für einen begrenzten Zeitraum oder als permanente Maßnahme gelegt werden. Fragen Sie Ihren Arzt bitte ganz direkt und offen, wie lange er die voraussichtliche Dauer der enteralen Ernährung einschätzt. Ärzte sind zwar keine Wahrsager, aber sie werden meistens in der Lage sein, festzulegen, ob die Sonde permanent oder temporär verweilen soll. Zusätzlich werden die Ärzte klare Ziele vorgeben, die – im Falle einer temporären Ernährungssonde – innerhalb eines bestimmten Zeitraums durch die enterale Ernährung erreicht werden sollen. Besprechen Sie die vorgesehene Dauer der Sondenernährung und definieren Sie Ziele und Kriterien und eine Ausstiegsstrategie mit dem zuständigen medizinischen Team. Dadurch werden Sie sich bei den zu treffenden Entscheidungen verstärkt eingebunden fühlen.

Das Timing

Tube-free childNach ein paar Wochen oder Monaten wird der Zeitpunkt kommen, and dem keine medizinischen Gründe für eine temporäre Sondenernährung mehr vorliegen und das Kind die Erlaubnis bekommt, den Übergang zur bzw. zurück zur oralen Ernährung zu machen. Jede temporäre Ernährungssonde sollte so bald wie möglich und so spät wie nötig entfernt werden. Denn je älter Ihr Kind wird, desto höher ist das Risiko eine Sondenabhängigkeit zu entwickeln! Das kann durch den Prozess erklärt werden, dass sich das Kind selbst auf psychologischer Ebene als „Sondenkind“ definiert, andererseits aber auch dadurch, dass das Kind sich auf biophysikalischer Ebene an eine extern regulierte und stark strukturierte Ernährungsroutine gewöhnt hat. Bevor der Entwöhnungsprozess beginnen kann, muss das Kind in einem stabilen Gesundheitszustand sein. Die Sondenentwöhnung darf nur dann eingeleitet werden, wenn die ursprünglich mit der enteralen Ernährung angestrebten Ziele nachhaltig erreicht wurden.

Wenn die Sonde in der Neonatalphase gelegt wurde, sollte die Sondenentwöhnung im idealfall im Alter zwischen 4 und 12 Monaten stattfinden. Es ist hilfreich, wenn Ihr Kind schon sitzen kann, sich konzentrieren kann und mit der Person, die ihn/sie füttert, direkt interagieren kann.

Verhalten und Essfähigkeiten

Bitte beobachten Sie das Verhalten Ihres Kindes genau! Man kann erste Anzeichen von entstehenden Essfähigkeiten erkennen: das Kind zeigt Interesse an Nahrung und ist motiviert, zu etwas zu essen sowie beginnende orale Fähigkeiten (brabbeln, saugen, lecken, schmecken). Essfähigkeiten entwickeln sich Schritt für Schritt. Sichere orale Stimulation mit echtem Essen oder Spielzeugessen kann helfen, sollte aber beaufsichtigt werden. Das Kind sollte in die Zubereitung der Mahlzeiten miteinbezogen werden und die Möglichkeit haben, echtes Essen zu berühren und zu schmecken. Es ist unerlässlich, eine Umgebung zu schaffen, in der auf entspannte und natürliche Weise die Möglichkeit geboten wird, etwas zu essen.

Angst vor Gewichtsverlust

Die Angst vor Gewichtsverlust ist meistens das Hauptargument der Eltern gegen eine Sondenentwöhnung. Aus medizinischer Sicht sollte das Kind durch die Entwöhnung nicht mehr als 10% des ursprünglichen Körpergewichts verlieren und das verlorene Gewicht innerhalb von 2-3 Monaten nach dem Entwöhnungsprozess wieder zugenommen haben. Wenn enteral ernährte Kinder etwas Übergewicht haben, kann der Gewichtsverlust oftmals auch einen positiven Effekt auf ihre motorischen Fähigkeiten und ihre Selbstständigkeit haben. Sondenabhängige Kinder zeigen typische Symptome, wie beispielsweise die Verweigerung von Essen, Widerstand gegenüber oralen Fütterversuchen, in manchen Fällen Erbrechen, Übelkeit und Würgen. Außerdem kann ihre Entwicklung verzögert sein! Sondenabhängigkeit kann verhindert werden, wenn typische Symptome früh erkannt werden und eine effektive Sondenentwöhnung umgesetzt wird – es gibt unterschiedliche Ansätze für eine Entwöhnung von der Sondenernährung! Ein bekanntes und standardisiertes Sondenentwöhnungsprogramm ist das sogenannte „Grazer Modell der Sondenentwöhnung“. In diesem Programm wird Kindern mit frühkindlichen Essverhaltensstörungen geholfen.

Das Auftreten des Hungergefühls

Eine Sondenentwöhung bei der das Kind keinem Hungergefühl ausgesetzt wird, ist nicht möglich! Daher ist es notwendig, die Ernährungsmenge auf kontrollierte und medizinisch überwachte Art und Weise zu reduzieren. Kein gesättigtes Kind wird je orale Aktivitäten zeigen! Ein Kind ohne medizinische Überwachung zu entwöhnen ist gefährlich und wir raten strikt davon ab, denn wenn bei medizinisch fragilen Kindern die Ernährungsroutine geändert wird, kann das gefährliche Folgen haben und fallweise kann eine sofortige medizinische Intervention notwendig sein.

Wozu Unterstützung?

tube-free childEs ist sehr wichtig, dass Sie von einem Spezialisten-Team begleitet werden, um lebensbedrohliche Situationen, besonders bei medizinisch instabilen Kindern, zu vermeiden. Die meisten sondenernährten Kinder werden nicht einfach so zu essen und zu trinken beginnen. Sie und Ihr Kind sollten professionell betreut werden. Das zuständige Team wird Ihnen dabei helfen, Ihr Kind zu unterstützen und Ihnen spezifische Ratschläge geben. Ihr Kind wird nicht deshalb das Essen erlernen, weil es von ihm erwartet wird, sondern nur durch Selbstmotivation und eine Verbesserung der Essfähigkeiten. Das ständige Anbieten von Essen oder aufdringliches Füttern ist hier nicht angebracht!

Während des Entwöhnungsprozesses wird das Kind das Essen verweigern, erbrechen, das angebotene Essen ignorieren und keine Motivation dazu haben, das Essen zu probieren. Daher werden Sie zusätzliche Unterstützung brauchen, die wir über unser internetbasiertes Netcoaching anbieten. So kann Ihr Kind zu Hause im gewohnten Umfeld bleiben und die medizinische und ernährungsspezifische Betreuung wird von medizinischen Experten über eine sichere Online-Plattform durchgeführt. Das Ziel der Sondenentwöhnung ist es, dass das Kind erlernt, auf eine selbstregulierte und nachhaltige Art und Weise zu essen, und dazu braucht es interdisziplinäre Expertise.

Marguerite Dunitz-Scheer