Ernährungs- und Wachstumsstatus in einer großen Kohorte medizinisch fragiler Kinder, die Langzeitsondennahrung erhalten haben.

Zahra Khan

Hintergrund

Enterale Ernährungsunterstützung (ENS) ist eine allgemein anerkannte therapeutische Maßnahme, die bei extrem frühgeborenen und medizinisch fragilen Säuglingen mit schwerwiegenden Grunderkrankungen häufig lebenserhaltend sind. Die Hypothese, dass laut durch ausreichende enterale Ernährungsunterstützung automatisch optimaler Gewichtszuwachs sichergestellt ist, trifft bedauerlicherweise nicht auf alle Kinder zu. Die eingeschränkte Effizienz des ENS ist hauptsächlich auf ein Ungleichgewicht zwischen den positiven Variablen und unerwünschten Begleiterscheinungen zurückzuführen und es kann sogar ein mangelndes Wachstum folgen.

Leider gibt es nur wenige Publikationen über die klinischen Langzeitfolgen der enteralen Ernährung bei medizinisch fragilen Patienten bzw. sind die verfügbaren Daten oft unwissenschaftlich und nicht vergleichbar.

efrat_urial0001Die Optimierung des ENS birgt Möglichkeiten die Kinder langzeitig deren Zustand zu verbessern. Bei jedem Gesundheitszustand besteht eine Korrelation zwischen der Prognose und der Überfütterung/Unterernährung. Dauernde Mangelernährung kann sich negativ auf die kindliche Entwicklung sowie auch auf die Grunderkrankung auswirken. Mangel führt zur Gedeihstörung, obwohl eigentlich genügend sorgfältig ausgewählte Nährstoffe zugeführt werden. Ursache dafür kann zum Beispiel Erbrechen sein, das die Verwertung der Nahrung verhindert. Es benötigt standardisierter Pläne für Sondenmanagement, welche auf dem Feedback der Eltern der betroffenen Kindern aufbauen, damit die Kinder hinsichtlich ihrer Entwicklung und  dem Wachstum bestmöglich vom ENS profitieren.

Studienergebnisse:

Ziel der Studie war das Assessment des Ernährungs-/Wachstumsstatus bei dauerndem enteralen Ernährungssupport (ENS)  in einer großen Kindergruppe.

Zu diesem Zweck analysierten wir die ernährungs-/wachstumsspezifischen Parameter der Kohorte der vergangenen 5 Jahren (2009-2013) in einer Studie, die Kinder im Alter von 1-36 Monaten umfasste (n=287). Verglichen mit den Standards der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zeigen unsere Ergebnisse, dass (25%) der Kinder mangelernährt/untergewichtig waren, wobei (18%) akut mangelernährt waren, d. h.  im Verhältnis zu ihrer Körpergröße akut untergewichtig (engl. „wasted“) und (31%) chronisch mangelernährt waren, d. h. im Wachstum zurückgeblieben (engl. „stunted“). Laut der WHO ist „die Wachstumsverzögerung (engl. „stunting“) eine Folge langfristiger Nahrungsknappheit und hat oft eine verzögerte geistige Entwicklung, schlechte schulische Leistung und verminderte intellektuelle Fähigkeiten“ zur Folge, wohingegen „akutes Untergewicht (engl. „wasting“) ein Symptom der akuten Unterernährung ist und Folge von unzureichender Nahrungsaufnahme, oder vieler Infektionen, vor allem der Diarrhoe. Akutes Untergewicht schwächt die Funktion des Immunsystems und resultiert in besonderer Krankheitsanfälligkeit und erhöhtem Mortalitätsrisiko. Die hohe Prävalenz der Mangelernährung bei diesen Kindern führt somit zu einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen, die ihre Lebensqualität mindern und weitere negative Folgen haben können.

_DSC2896_(1)Die Mehrheit der Kinder, die dauerhaft mittels ENS ernährt werden, erhält entweder nicht die an ihre individuellen Bedürfnisse angepasste Nahrungsmenge oder verträgt diese nicht. Dies zeigt, dass es bei ENS nicht immer möglich ist, die für ein normales Wachstum und eine normale Entwicklung optimale Nährstoffmenge zuzuführen. Um bei medizinisch fragilen Kindern ein Aufholwachstum zu erzielen, scheint die Nahrungszusammensetzung und vor allem das Aufrechterhalten eines optimalen Eiweiß/Energie-Verhältnisses besonders wichtig zu sein. Eine verringerte enterale Nahrungsaufnahmemenge geht oft mit einem Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen einher. Das zuständige medizinische Team sollte gemeinsam mit den Eltern versuchen, abzuschätzen, wie groß die Nahrungsmenge ist, die dem Kind tatsächlich zugeführt wird.

 

Zusammenfassung

Bei medizinisch fragilen Kindern ist ENS kein Garant für ein adäquates Wachstum per se. Die Gründe hierfür sind hauptsächlich begrenzte Verträglichkeit, Übelkeit, wiederkehrendes Erbrechen, Würgereiz und Husten. Daher bedarf es bei medizinisch fragilen Kindern, die  mittels ENS ernährt werden, eines hochspezifischen und individuell angepassten Sondenmanagementplans und eines Nachsorgeprogramms. Diese sollten eine regelmäßige Evaluation der Wachstumsparameter, der Kalorienzufuhr umfassen, sowie eine erneute Untersuchung und wenn nötig, den Mut, den Plan zu erändern. Die Ergebnisse dieser Studiezeigen, dass jedes enteral ernährte Kind ärztlich überwacht werden sollte, damit der Punkt erkannt wird, an dem unerwünschte Begleiterscheinungen überhand nehmen.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden bereits vom Journal of Gastroenterology and Pediatric Nutrition zur Publikation angenommen (doi: 10.1097/MPG.0000000000000931)

 

Zahra Khan