Wie funktioniert die Sondenentwöhnung?







8 Gründe, warum Eltern die Sondenernährung Ihrer Kinder fortsetzen







Die Auswahl eines Sondenentwöhnungsprogramms



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Dieser Artikel wurde aus der Perspektive einer Ärztin (Marguerite Dunitz-Scheer) verfasst, die fast 30 Jahre lang im Bereich der Sondenernährung und -entwöhnung tätig und Mutter von 6 gesund geborenen Kindern ist, in Zusammenarbeit mit zwei Müttern (Krista Puruhito und Aurélie Charrière), die mit ihren eigenen Kindern jene schwierigen Prozesse durchgemacht haben und wird von ihrer Ausbildung und ihrem erworbenem Fachwissen, sowie der Erfahrung selbst, bereichert.

Es gibt viele Fragen, die man sich als Mutter eines sondenernährten Kindes stellt. Wir haben versucht, Ihre derzeitige emotionale Lage zu analysieren und auf die Sorgen, die Sie wahrscheinlich ständig belasten, Antworten zu geben.

Wie kann ich lernen, meine Gefühle unter Kontrolle zu halten?

Bitte strengen Sie sich nicht zu sehr an, Ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten – zumindest nicht die ganze Zeit!

Wichtig ist, zwischen Ängsten rund um Ihr Kind (die ihren Ursprung in der Vergangenheit und ihren Gedanken haben) und Ängsten, die durch Fakten ausgelöst werden, welche die Ursache für tatsächliche Sorgen oder sogar Handlungsbedarf sind, zu unterscheiden. In Bezug auf Ihre Ängste ist so wichtig zu beachten, dass diese sich auf Ihr Verhalten im Alltag und die Atmosphäre zwischen Ihnen und Ihrem Baby stark auswirken und sie beeinflussen. Ihre Ängste liegen ungewollt in der Luft, die Sie und Ihr Baby umgibt und spiegeln sich schleichend in Ihrem Gesichtsausdruck und dem Klang Ihrer Stimme wider. Dadurch könnten Ihrem Baby mögliche erfreute oder mit Stolz erfüllte Reaktionen Ihrerseits entgehen, selbst dann, wenn es ihm gerade „gut“ geht und Ihr Baby sich mit ganzer Kraft anstrengt, um Ihre Erwartungen zu erfüllen.

Aber warum habe ich noch mehr Angst, mit der Sondenernährung aufzuhören?

child with a feeding tubeAls Ihr Baby geboren wurde, haben sich andere darum gekümmert. Nach einer Schockphase haben Sie sich an all die Infusionen, Sonden und Monitore gewöhnt und die Krankenschwester und Ärzte haben sich sehr bemüht, alles zu erklären. Nach einer bestimmten Zeit haben Sie sich sogar daran gewöhnt. Ihre Rolle war es, zu vertrauen und zu besuchen und sich zu kümmern und zu lieben, aber nicht, wirklich für alles verantwortlich zu sein. Dafür war ja das ärztliche Team da! Aber sobald Sie zu Hause angekommen waren, änderte sich alles. Keine Monitore mehr, keine Krankenschwestern und ärztliche Visiten, dafür sehr viel Zeit alleine. Sie haben nicht nur das Gefühl, komplett alleine mit Ihrem Baby dazustehen. Es kommt auch noch die Ernährung Ihres Kindes dazu, die durch die Sonde und die Sondenernährungsroutine perfekt gelöst wurde. Sie fürchten oder hassen die Ernährungssonde sogar, aber Sie haben sich daran gewöhnt und finden es schwierig, die Dinge zu ändern. Besonders, da das medizinische Team, das für die Sondenlegung verantwortlich ist, nicht wirklich an irgendwelchen Themen rund um den Umgang mit der Sonde interessiert ist, daher fühlen Sie sich vielleicht sogar schlecht, weil Sie sich im Gedanken wünschen, dass Ihr Kind erlernt, auf natürlichem Wege zu essen.

Man scheint sich an schwierige oder beängstigende Situationen anzupassen und zu gewöhnen, diese zu verändern erscheint dann aber noch angsteinflößender. Als Ihr Kind die Sonde bekommen hat, sprach jeder davon, dass dieser Schritt nur übergangsmäßig, notwendig und gut sei. Jetzt scheinen Sie ganz alleine damit dazustehen, dass Sie den nächsten Schritt zum Loswerden der Sonde machen möchten und die meisten Experten, die in die Sondenlegung involviert waren, scheinen keine Ahnung zu haben, was zu tun ist, um diese temporäre Intervention zu beenden. Darüber hinaus, dass niemand über spezifische Informationen verfügt, scheinen sie sich auch nicht verantwortlich zu fühlen.

Warum versteht niemand meine Ängste?

Es ist einfach nicht fair, Sie, Ihr Partner und Ihr Baby haben in den vergangenen Monaten eine Achterbahnfahrt der Gefühle, starken Stress und Herausforderungen durchgestanden, an die Sie nicht einmal im Traum gedacht hätten. Ihre Ängste drehen sich um echte Gefahren wie dem Risiko der schweren Bradykardie, Dehydrierung, Elektrolytmangel, Mangelernährung aber auch um sehr allgemeine Gefühle wie der Verlustangst, Trennungsangst, Angst vor Notfällen oder sogar dem Tod. Obwohl Ihr Baby wahrscheinlich mehrere gefährliche und sogar lebensbedrohliche Situationen überlebt hat und bewiesen hat, dass er/sie ein kleiner Kämpfer und Überlebende/r ist, können Sie sich einfach nicht entspannen oder Ihren Alltag leben, ohne dass Sie Ihr Baby immer ganz genau beobachten. Ihnen wurde vielleicht sogar nachdrücklich versichert, dass die Komplikationen zu gravierend seien und Ihr Baby keine Überlebenschance hätte, doch dann überlebte Ihr Baby doch! Sie gehen durch ein Gefühlschaos, das Sie bisher in dieser Form noch nie durchgemacht haben. Und obwohl Ihre Freunde und Ihre Familie versuchen, Ihnen hilfreich zu sein und Sie zu unterstützen, haben Sie einfach nur Angst und sind voller Fragen, die scheinbar niemand versteht oder zu beatnworten weiß. Sie fühlen sich mit all dem komplett auf sich alleine gestellt.

Doch das sind Sie nicht, nein!

bright picture of hugging mother and daughterWenn Sie Glück haben, finden Sie andere Mütter und Väter, die die gleichen Eindrücke, Gefühle und Ängste empfinden und Sie verstehen und wenn Sie Glück haben, wird das Team, das Ihrem Baby dabei hilft, zu überleben, sanft und einfühlsam sein und Ihnen dabei helfen, durch diese schwere Zeit in Ihrem Leben zu kommen, in der es scheint, als bräche die Welt rund um Sie zusammen.

WAS KANN MAN TUN?

Versuchen Sie, so viel Zeit wie möglich Ihrem Baby zu widmen, aber strukturieren Sie auch die kommenden Wochen und planen Sie bestimmte, für Sie angenehme Dinge oder Rituale in Ihre Routine mit ein. Gehen Sie weiter zu Ihrem Fitnesskurs, treffen Sie Ihre beste Freundin, besuchen Sie Ihre Eltern, versuchen Sie, auf sich und den Vater Ihres Babys so gut und viel wie möglich zu achten und sprechen Sie über Ihre Gefühle und Ängste! Stellen Sie so viele Fragen wie möglich, legen Sie eine Liste an und bereiten Sie sich auf jeden Arzttermin vor, sprechen Sie mit anderen und hören Sie sich an, was andere ausprobieren werden und welche Informationen andere mit Ihnen teilen. Die große weite Welt da draußen wird sich genauso wie zuvor weiterdrehen und nimmt keinerlei Notiz von Ihrer Situation und Ihren Ängsten. Versuchen Sie bitte umso mehr, sich eine kleine, stabile, persönliche Schutzinsel in Form von ein paar nahestehenden Personen aus Ihrem Umfeld aufzubauen und teilen Sie mit diesen Menschen Ihre Ängste, Zweifel, Hoffnungen und Fantasien. Vielleicht hilft es Ihnen auch, wenn Sie Briefe an Ihr Baby schreiben oder ein Tagebuch führen, damit Sie später einmal besser von dieser Zeit erzählen können. Nicht alle Mütter und Väter sind gleich und Reden mag nicht für jeden die beste Lösung darstellen, aber finden Sie einen Weg, Ihre Sorgen zu teilen, um sich nicht alleingelassen zu fühlen.

Marguerite Dunitz-Scheer