8 Gründe, warum Eltern die Sondenernährung Ihrer Kinder fortsetzen







Die 3 Arten von Ernährungssonden & ihre unerwünschten Begleiterscheinungen







Wählen Sie das passendste Sondenentwöhnungsprogramm für Ihr Kind



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Wenn wir uns vorstellen, wie es ist, Eltern zu sein, stellen wir uns das perfekte Familienleben vor. Lächelnde, glückliche, entzückende Babys; ein Leben voller Freude und Umarmungen; gemeinsames, fröhliches Spielen; Sie sind stolz auf die beeindruckten Blicke, mit denen andere Ihr entzückendes Kind ansehen und werfen Ihrem Partner unbeobachtet von den anderen ein von Glück erfülltes Lächeln zu, während Sie dabei zusehen, wie Ihr Kind (natürlich frühzeitig) den nächsten Entwicklungsschritt schafft.

Während Kinder einem eine Riesenfreude und Befriedigung geben, bescheren sie einem im wahren Leben auch Zeiten voller Stress, Enttäuschung und manchmal sogar Ärger. Mit einem frühgeborenen Kind scheinen einem diese Träume vom perfekten Familienleben jedoch komplett außer Reichweite zu entgleiten.

Frühgeborene werden oft über eine Sonde ernährt und obgleich das eine gute, lebensrettende Maßnahme ist, kann man als Elternteil mit gemischten Gefühlen auf die Ernährungssonde und die Sondenernährung reagieren. Hier folgen einige Fragen und Emotionen von Eltern, die wir durch den Sondenentwöhnungsprozess hindurch begleitet haben.

Warum wollen alle anderen Babys essen, während meinem Kind schon der Anblick von Essen Angst macht?

Manchmal scheint es, als wäre Ihr Baby das einzige, das orales Essen verweigert und Sie fühlen sich möglicherweise in dieser Situation sehr alleine. Bitte machen Sie sich bewusst, dass Ihr Kind nicht das einzige ist, das so auf Essen reagiert und wenn Sie sich in Ihr Baby hineinversetzen, werden Sie erkennen, dass sein/ihr Verhalten eine wirklich nachvollziehbare und intelligente Reaktion ist.

Alle Babys, die zwischen der 23. und der 30. SSW geboren werden, bekommen sofort nach der Geburt eine NG-Sonde, da sie zu klein sind und ihr Saugreflex nicht entwickelt ist. Während diese Babys nach und nach wachsen, sollen sie dann schrittweise und sanft den Übergang zur oralen Ernährung schaffen, wenn es ihnen medizinisch und entwicklungstechnisch gut geht.

Zu diesem Zeitpunkt wird Ihr Baby noch nie die Erfahrung gemacht haben, oral gefüttert oder im Mundbereich stimuliert zu werden; auf der Säuglingsstation des Krankenhauses wird man versuchen, Ihr Baby zum Saugen von kleinen Tropfen gesüßten Wassers und Milch anzuregen und so den Saugreflex zu stimulieren.

Child eatingTrotz der engagierten Betreuung im Krankenhaus, war Ihr Baby auf der neonatologischen Intensivstation vielen schmerzhaften, beängstigenden medizinischen Maßnahmen augesetzt, litt wahrscheinlich auch unter Reflux, der schmerzhaft ist und durch Sondenernährung noch verstärkt werden kann. Ihr Baby hat dadurch leider gelernt, das Gefüttertwerden mit Schmerz oder Unglücklichsein zu assoziieren und es ist nur natürlich, dass Ihr Baby deshalb gegenüber Nahrung eine ablehnende Haltung entwickelt hat. Außerdem verspüren sondenernährte Kinder nie Hunger, weil sie ständig Sondennahrung zugeführt bekommen.

In einem guten Sondenentwöhnungsprogramm wird daran gearbeitet, diese negativen Assoziationen in positive Assoziationen umzuwandeln, sodass dass das Kind einen gesunden Appetit und Freude am Essen entwickelt.

Warum streite ich mich mit meinem Partner ständig darüber?

Die Elternschaft verändert die Beziehungsdynamik in Ihrer Partnerschaft maßgeblich. Unabhängig davon, wie sehr Sie Ihren Partner lieben oder wie gut Sie ihn kennen, kann sich herausstellen, dass Sie komplett unterschiedliche Ansichten über das Großziehen von Kindern haben und häufige Streitereien sind vorprogrammiert, vor allem in den ersten Jahren, in denen Sie zusätzlich unter Schlafmangel leiden.

Die Eltern von Frühgeborenen leiden unter zusätlicher Belastung. Die ständigen Krankenhausbesuche und -aufenthalte, überraschende finanzielle Belastungen und die Sorgen um Ihr Kind holen das Schlimmste aus Ihnen beiden heraus. Keiner der netten Schwangerschaftsratgeber hat Sie auf diese Zeit vorbereitet.

Beim Thema „Füttern“ gibt es eine sehr große Bandbreite an divergierenden Meinungen. Es kann gut sein, dass Sie – je nachdem, welches Buch Sie darüber lesen – in der Literatur verschiedene Ansichten dazu finden werden und dass sogar die Empfehlungen von medizinischen Fachleuten voneinander abweichen können. Es ist immer auch ein sehr emotionales Thema, besonders dann, wenn man ein Baby hat, das keine Nahrung annimmt und man das Gefühl hat, versagt zu haben (was Sie nicht haben!) und befürchtet, von anderen Eltern dafür negativ beurteilt zu werden. Jede Bemerkung Ihres Partners kann dann in Ihren Ohren wie unerwünschte und ungerechtfertigte Kritik klingen und sich leicht zu einem Streit ausweiten.

WIE KÖNNEN SIE SICH IN DIESER SCHWIERIGEN ZEIT GEGENSEITIG EINE STÜTZE SEIN?

In dieser Zeit bedarf es viel Empathie, Geduld und Versöhnungsbereitschaft. Sie beide werden nach einer schlaflosen Nacht oder einem stressigen Tag wahrscheinlich Dinge zueinander sagen, die Sie nicht so meinen. Versuchen Sie, jeden Anflug an Kritik zurückzuhalten und bemühen Sie sich, zusammen einen Weg zu finden, wie Sie Ihrem Kind helfen können.

Sprechen Sie wennmöglich über die Option, in Ihrem Krankenhaus psychologische Hilfe anzufordern. Das kann Ihnen dabei helfen, Ihren Einblick zu erweitern, Sie von Ihren Schuldgefühlen zu entlasten und hilft dabei, die Prioritäten darauf zu setzten, worauf es wirklich ankommt.

Family NotubeDas in die Sondenentwöhnung involvierte psychologische Team wird Ihnen dabei helfen, die verhaltenspsychologischen und psychoanalytischen Herangehensweisen in Betracht zu ziehen, mit denen das Essverhalten Ihres Kindes verändert werden kann. Durch den verhaltenspsychologischen Ansatz wird Ihnen als Elternteil dabei geholfen, die eigene Überzeugtheit davon zu stärken, dass Sie in der Lage sind, Ihrem Kind zu helfen und Sie bekommen Anweisungen darüber, wie Sie sich in bestimmten Situation verhalten sollen.

Anhand des psychoanalytischen Ansatzes werden Persönlichkeit und Blickwinkel Ihres Kindes analysiert, um so das Entwöhnungsprogramm optimal auf Ihr Kind abstimmen zu können. Das hilft Ihnen als Eltern dabei, sich nicht länger wegen der medizinischen Probleme oder Entwicklungsrückstände Ihres Kindes Selbstvorwürfe zu machen und eine neutrale emotionale Haltung in Bezug auf das Essverhalten Ihres Kindes anzunehmen.

Warum bin ich von Gewicht, Millilitern und Kalorien besessen?

Während der Zeit auf der Intensivstation wurde die von Ihrem Baby aufgenommene Nahrung und Flüssigkeit genau überwacht. Ihr Kind wurde täglich gewogen, dann wurde der tägliche Flüssigketisbedarf berechnet und die stündlich aufzunehmende Flüssigkeitsmenge bestimmt. Ganz sicher hat Ihnen eine Krankenschwester an dem ein oder anderen Punkt berichtet, dass Ihr Baby schon eine gewisse Nahrungsmenge aufnimmt und dass das ein großer Schritt in die richtige Richtung sei.

Nicht nur die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, auch alles andere wurde überwacht: Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atmung, Körpertemperatur, Blutzuckerspiegel. Alles wurde kontrolliert und genauestens dokumentiert.

In einer Situation, in der Sie das Gefühl haben, alles sei außerhalb Ihrer Kontrolle geraten, haben Sie durch das Festhalten von Zahlen und Überwachen des Fortschritts das Gefühl, die Lage im Griff zu haben. Es ist wichtig, Frühgeborene nicht zu unter- oder überfüttern. Daher war es sehr nützlich, diese Zahlen genau zu dokumentieren.

Eine Gewichtstabelle ist immernoch ein sehr nützlicher Indikator für etwaige zugrundeliegende Probleme. Falls Sie schon mit Infektionen oder Herzproblemen konfrontiert waren, wissen Sie bestimmt, dass eine mangelnde Gewichtszunahme ein frühes Anzeichen für bevorstehende Probleme ist.

Sie haben vielleicht auch den Drang, Ihr Baby mit anderen Babys, die zur gleichen Zeit wie das Ihre geboren wurden, zu vergleichen. Das ist ganz natürlich, wenngleich es auch nicht sehr hilfreich ist. Frühgeborene liegen entwicklungstechnisch oft hinter anderen Babys zurück, selbst wenn das vom Altersunterschied her in Ordnung geht, doch schlussendlich holen sie auf.

Warum hasse ich die Sonde, obwohl sie meinem Baby hilft?

notube child EmmaIhr Baby hat eine Ernährungssonde erhalten, weil sie unverzichtbar für seine/ihre Behandlung war. Trotz der lebensrettenden Funktion der Sonde, kann es leicht passieren, dass Sie beginnen, sich über die Sonde zu ärgern oder sie sogar hassen.

Das ist eine ganz natürliche Reaktion, die wir schon oft mitbekommen haben. Niemand träumt davon, ein krankes Kind zu haben und die Sonde Ihres Kindes ist ein ziemlich unübersehbares Anzeichen dafür, dass Ihr Kind krank ist. Doch nicht nur das. Die Sonde kann auch dem so erwünschten Kontakt zu anderen im Wege stehen; lässt Sie Ihr Kind nicht richtig baden; ist im Weg, wenn Sie Ihr Kind anziehen und sie bringt Ihnen auf der Straße fragende Blicke von Passanten ein.

Vielleicht gehört Ihr Kind auch zu jenen, die unglücklicherweise an Reflux oder durch das Essen verursachte Schmerzen leiden. Der Anblick der so sichtbaren Ursache für diese Schmerzen, ganz egal wie lebenswichtig die Sonde sein mag, löst Ihren Beschützerinstinkt aus.

Marguerite Dunitz-Scheer