Die Philosophie hinter unserer Sondenentwöhnungsmethode

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Geprägt durch unsere Erfahrung

Das Wissen und die Erfahrung unseres Teams basieren auf jahrelanger klinischer Praxis am Universitätsklinikum Graz. Marguerite Dunitz-Scheer und Peter Scheer entwickelten dort anhand ihrer vorangegangenen Forschungsarbeit in diesem Feld ihre einzigartige Methode, Kindern mit massiven Essstörungen (vor allem mit Sondendependenz) zu helfen.

Ausgehend von Ergebnissen aus der täglichen Praxis

Unsere Philosophie stützt sich auf Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und der Analyse frühkindlicher Lernprozesse, sowie die Annahme, dass jedes Kind mit einem genetisch festgelegten Lernpotential ausgestattet ist. Das bedeutet, dass Kinder über hunderte von Jahren das Essen nicht erlernt haben, weil es ihnen von jemandem beigebracht wurde, sondern weil jedes Kind die angeborene Fähigkeit besitzt, dieses lebensnotwendige körperliche Grundbedürfnis selbstständig zu erfüllen. Schon während der Monate im Mutterleib können Babys koordiniert Fruchtwasser trinken, saugen und schlucken.

In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir 2 Kernbereiche für alle Behandlungsmethoden nach dem Grazer Modell identifiziert:

  • Auf der physischen Ebene: das Kind Hunger verspüren lassen (somatischer Ansatz)
  • Auf der entwicklungsbezogenen Ebene: die Autonomie des Kindes stärken (psychologischer Ansatz)

Diese zwei einfachen Ziele müssen auf unterschiedlichen Ebenen vom Kind und den Eltern respektiert und verstanden werden. Jede Familie und jedes Kind ist anders und daher muss, obwohl jeder Entwöhnung die gleiche Philosophie zugrunde liegt, der Entwöhnungsprozess individuell auf sie abgestimmt werden.

Das Konzept der Selbstregulation

Neugeborene und Kleinkinder senden Signale aller Art an ihre Bezugspersonen, um ihnen zu vermitteln, dass sie hungrig sind. Sie können u.a. ihren Blick fokussieren, den Kopf in Richtung der Bezugsperson neigen oder ihn abwenden (z.B. wenn ihnen ein Fläschchen angeboten wird), sie können brabbeln, weinen, schreien, lächeln oder auf eine andere Weise mit ihrer Bezugsperson kommunizieren. Diese Signale sendet das Kind an sein Umfeld. Wenn ein Kind viele Monate in verschiedensten Krankenhäusern und auf der neonatologischen Intensivstation verbracht hat, kann die Bandbreite seiner Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sein oder durch die Anwesenheit der Eltern bzw. Bezugspersonen durcheinander geraten. Gleichzeitig haben die Eltern Wochen voller Ängste und nervösem Warten durchgestanden, sind verunsichert und möchten ihrem Baby auf jede mögliche Art und Weise „helfen”. Gut gemeinte Versuche, dem Kind zu helfen sind jedoch oft kontraproduktiv. Meist unerwünschte Einmischung und überzogene Fürsorge können das Baby dahingehend beeinflussen, dass das Baby glaubt, sich selbst schützen zu müssen und daher den Mund schließt, anstatt ihn zu öffnen.

Selbstregulation bedeutet, dass durch den angeborenen Biorhythmus des Babys lebenswichtige Funktionen wie Schlaf-Wach-Rhythmus und Hunger-Sättigungs-Zyklus reguliert werden. Das Konzept der Selbstregulation impliziert auch, dass die Erwachsenen rund um das Baby lernen, sich auf die Selbstregulation des Babys zu verlassen und darauf zu vertrauen, dass das Baby selbst nach vielen Wochen oder sogar Monaten schwerer Erkrankung in der Lage ist, Hunger und Sättigung selbst ausreichend zu regulieren. Da das Baby, genau wie jedes andere Kind das Potential hat, das Essen zu erlernen, wird seine Selbstregulation auch für das Gleichgewicht der zunehmend oral aufgenommenen Nahrung sorgen, jedoch nur dann, wenn die enterale Nahrungsaufnahme reduziert wird (=Verabreichung der Nahrung über die Sonde).

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Das Wichtigste ist, sich in das Kind hineinzuversetzen

Das vorliegende Problem aus der Perspektive des Kindes zu verstehen (und nicht, was aus Sicht eines Erwachsenen das Wichtigste ist) ist die Grundvoraussetzung dafür, einen Zugang zur Persönlichkeit des Kindes zu finden und abschätzen zu können, wie die sensorischen und motorischen Fähigkeiten des Kindes aus entwicklungsbezogener Sicht angeregt werden können. Das Streben des Kindes nach Selbstständigkeit (von Geburt an) und das ausdrückliche Bedürfnis, eigene Willensstärke und Motivation zu entwickeln, müssen jeglichen aversiven oder suggestiven Einflüssen von außen entgegenwirken. Daher gibt jedes Kind, unabhängig von seinem Alter oder möglichen Behinderungen, die individuelle Richtung seiner Behandlung vor. Wir versuchen im Dialog mit den Eltern einen genauen Behandlungsplan festzulegen, der individuell auf die Bedürfnisse eines jeden Kindes und auf sein System, bestehend aus den Bezugspersonen, abgestimmt wird. Aus diesem Grund wird unser Programm als „Early Autonomy Training” bezeichnet, bzw. gemeinhin als das „Grazer Modell”.

Die Umsetzung des Grazer Modells

Wir reisen um die ganze Welt zu Konferenzen und Workshops mit verzweifelten Familien und stellen das „Grazer Modell” vor. Derzeit liegt unser Schwerpunkt bei der Therapie nach dem Grazer Modell vorrangig auf zwei Zielgruppen:

  • Eltern von sondenernährten Kindern mit unserem Online-Coaching und Programmen vor Ort
  • Experten, die im Bereich der Sondenernährung und -entwöhnung tätig sind

Leitfaden herunterladen: Wie funktioniert die Sondenentwöhnung?

Lesen Sie über unsere bewährte Methode, bei der Ihr Kind in 6 Schritten von der Sonde entwöhnt wird. 3.000 Mal bewährt.

Sie erfahren wie Sie

  • das Interesse Ihres Kindes an Nahrung wecken
  • häufige, die Entwöhnung verhindernde Verhaltensmuster von Eltern vermeiden
  • das ideale Umfeld für die Sondenentwöhnung schaffen