Die 7 entscheidenden Ängste vor dem Beginn einer Sondenentwöhnung








7 Gründe, Ihr Kind von der Ernährungssonde zu befreien








Die Auswahl eines Sondenentwöhnungsprogramms




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Beim Thema Ernährung spüren Eltern oft Leistungsdruck, weil sie Angst haben, ihr Kind nicht optimal zu ernähren. Eine kurze Internetrecherche ergibt fast zehntausend Bücher, in denen Eltern erklärt wird, wie sie ihre Kinder zu ernähren haben. An manchen Tagen scheint es, als ob jeder zweite Passant auf der Straße eine Meinung dazu hätte, wie Sie Ihr sondenernährtes Kind zum Essen bringen können.

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Als Eltern eines sondenernährten Kindes haben Sie gewiss eine emotional sehr belastende Zeit durchlebt und jetzt sind Sie an dem Punkt angelangt, an dem Sie sich freuen sollten, denn das medizinische Team Ihres Kindes hat festgestellt, dass die Ernährungssonde nicht mehr notwendig ist. Dennoch zeigt Ihr Kind keinerlei Interesse am Essen, würgt vielleicht sogar beim Anblick von Nahrung oder fühlt sich dadurch bedrängt.

Es gehen Ihnen viele Gedanken durch den Kopf: „Vielleicht braucht mein Kind ja nur einen kleinen Bissen, um auf den Geschmack zu kommen… Wenn ich doch nur einen Löffel in seinen Mund bekäme, würde er bestimmt mehr davon wollen.” Wenn Ihr Kind älter ist, machen Sie sich vielleicht Sorgen, dass nicht das Essen das Problem ist, sondern die Disziplin und Sie werden vermuten, dass die Androhung von Bestrafung Ihr Kind motiviert, endlich zu essen.

Als Experten, die mit der Sondenentwöhnung von Kindern in den unterschiedlichsten Situationen vertraut sind, können wir sehr gut nachvollziehen, wie es sich anfühlt, ein Kind zu haben, das nicht isst. Wir können uns sehr gut in die betroffenen Eltern hineinversetzen, besonders dann, wenn sie das Gefühl haben, dass jedes andere Kind sich fröhlich auf alles stürzt, das man ihm zu essen anbietet. Wir sehen und hören von den Versuchen, die liebevolle, fürsorgliche Eltern unternehmen, um ihr Kind zum Essen zu bringen.

Dieser Artikel handelt von den Methoden, die Eltern anwenden, um ihr Kind zum Essen zu bringen und warum wir genau diese vermeiden und dabei helfen möchten, Ihr Kind von der Sonde zu entwöhnen, und das ohne dabei Zwang oder Überredungskunst anzuwenden. Wenn man das Kind unter Zwang füttert, wird die Sondenentwöhnung nie funktionieren, weil das Kind schon die Sondenernährung selbst als von außen aufgezwungen wahrnimmt. Deshalb wird das Kind bei der Zwangsfütterung selbst bei den besten Absichten zum „Opfer“. Umso mehr muss in der Phase der Sondenentwöhnung jeder Aspekt des Zwangs vermieden werden, sowohl Zwang durch körperliche Kraft, als auch durch Überredungskunst, da der Übergang von der extern regulierten und kontrollierten Ernährungsroutine zu einer selbstbestimmten und durch das Kind selbst geleiteten oralen Ernährung nur dann funktionieren kann, wenn das Kind die komplette Verantwortung und Autonomie über seine Nahrungsaufnahme bekommt.

DSC_0122 (2)Lassen Sie uns mit der Frage beginnen, was wir unter Zwangsfütterung bei sondenernährten Kindern verstehen. Essen sollte der einfache Prozess sein, Hunger zu erkennen und auf diesen inneren Antrieb zu reagieren, indem man isst und damit wieder aufhört, sobald man satt ist. Mit „Füttern unter Zwang bzw. Zwangsfütterung“ meinen wir das Verhalten, das Ihr Kind von dieser einfachen Handlung ablenkt oder abhält. Sanfte Überredung oder sogar das physische Einschränken Ihres Kindes oder das Hineinschieben des Essens in den Mund des Kindes – wir raten ausdrücklich von all diesen Vorgehensweisen ab.

Es gibt einige klare Signale oder Verhaltensweisen, mit denen Babys und Kleinkinder ihre Ablehnung signalisieren: Wenn ein Kind den Kopf wegdreht oder weint, wenn ihm eine Flasche oder die Brust angeboten wird, dann muss man damit aufhören und es später noch einmal versuchen. Das kann frustrierend für Sie sein, wenn Sie Nahrung vorbereitet haben und diese entsorgen müssen und Sie voller Sorge sind, weil Ihr Neugeborenes nicht zunimmt und schon eine Weile nicht gefüttert wurde. Die meisten sondenernährten Babys haben wenig bis gar keine Erfahrung mit oralem Essen oder dem Hungergefühl. Sie haben auch oft orale Traumata erlebt und das Aufzwingen von Flaschen kann ihre orale Aversion verschlimmern, anstatt sie zu behandeln.

Die aktuelle Standardempfehlung bei gesunden Babys ist, dass man mit der Umstellung auf feste Nahrung mit sechs Monaten beginnen sollte. Das ist oft der Zeitpunkt, an dem die Interaktion zwischen Pflegeperson und Kind schwierig sein kann.

Das erste, das man nicht vergessen sollte, ist, dass sechs Monate nur ein Richtwert sind. Manche Kinder werden früher bereit sein, andere später. Bei der Sondenentwöhnung wird mit etwas Gewichtsverlust gerechnet und beim Essen sollte es zunächst darum gehen, dass das Kind neue Geschmäcker und Konsistenzen kennenlernt, ohne dass man sich dabei zu viele Sorgen darüber macht, ob das Kind genug Nahrung aufnimmt.

Manche Eltern haben Glück und ihre Kinder sitzen da wie kleine Vögelchen, mit offenem Mund und akzeptieren jedes Essen, das ihnen gegeben wird. Viele andere Kinder sind jedoch nicht so einfach, besonders wenn sie enteral ernährt wurden.

Wenn Sie Ihr Kind mit einem Löffel füttern, dann sind Sie vielleicht versucht, einen kleinen Trick zu probieren, Ihr Kind zum Lachen zu bringen oder mit einem Spielzeug abzulenken und Ihrem Kind dann schnell einen Löffel voll Nahrung zu füttern. Diese Taktik mag zwar funktionieren, ist aber keine langfristige Lösung und das Kind wird bald lernen, auszuweichen. Stellen Sie sich vor, sie hätten gerade überhaupt keinen Hunger und jemand würde das bei ihnen machen; es ist unwahrscheinlich, dass Sie das Essen genießen, das Ihnen unerwartet in den Mund geschoben wurde.

Wir empfehlen stattdessen, dem Kind zu erlauben, selbstständig zu essen, sofern es möglich ist. Es gibt viel Fingerfood, das auch ein sechs Monate altes Baby sicher genießen kann. Stellen Sie einfach Speisen in die Reichweite Ihres Kindes, damit Ihr Kind die Nahrung sehen und berühren kann und stellen Sie sicher, dass häufig etwas zu essen verfügbar ist und zwar dann, wenn es wahrscheinlich ist, das Ihr Kind gerade Hunger hat, anstatt es nur an den von Erwachsenen bestimmten Essenszeiten zu probieren.

Wenn Ihr Kind ein bisschen älter ist, sind Sie vielleicht versucht, Ihr Kind zum Essen zu überreden, indem Sie Ihrem Kind eine Belohnung in Aussicht stellen, wenn er/sie etwas Nahrung probiert oder einen Pudding versprechen, wenn das Gemüse aufgegessen wird. Wir möchten, dass die Kinder als Antwort auf ihren Hunger essen, anstatt damit den Wünschen der Eltern zu entsprechen oder weil sie dafür eine Belohnung bekommen. Wenn Sie diesen Weg schon probiert haben, haben Sie vielleicht gesehen, dass diese Methoden selten funktionieren. Der Wunsch des Kindes, das Essen zu vermeiden, ist stärker als der Wunsch nach einer Belohnung und am Ende werden Sie beide frustriert sein.

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Puddings können bei Mahlzeiten ein gefährliches Terrain sein und Sie fühlen sich von anderen Eltern in Bezug auf gesunde Lebensmittel vielleicht verurteilt. In Ihrer Situation sollten Sie sich keine Gedanken darüber machen, ob das Essen „gesund“ ist oder nicht. Erstens hat Ihr Kind wahrscheinlich wenig Hunger, daher ist Essen mit vielen Kalorien aber in kleinen Mengen ideal. Zweitens ist es am wichtigsten, dass Ihr Kind überhaupt etwas isst. Viele Kinder, die mit dem Essen kämpfen, sind auf bestimmte Geschmäcker oder Konsistenzen empfindlich, das vergeht mit dem Alter oft, aber indem man ihnen Essen anbietet, das ihnen überhaupt nicht schmeckt, wird man sie wohl kaum zum Essen motivieren.

Als Pflegeperson kann man leicht dem Irrglauben verfallen, dass das Verweigern des Essens eine Frage der Disziplin sei. Vielleicht ertappen Sie sich ja auch dabei, dass Sie Ihrem Kind damit drohen,  dass alle Süßigkeiten gestrichen werden, wenn die Mahlzeit nicht aufgegessen wird oder die Mahlzeit erst dann beendet wird, wenn Ihr Kind eine bestimmte Menge an Essen aufgegessen hat. Manchmal scheint es, je mehr Aufwand Sie in eine Mahlzeit stecken, desto eher wird sie verweigert.

Das ist der Punkt, an dem Sie sich zurücknehmen müssen, so schwer Ihnen dies auch fallen mag. Ein Kind mit Nahrungsaversion verweigert das Essen nicht, um Ihnen zu trotzen. Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie Ihrem Kind erlauben, eine Mahlzeit abzulehnen. Ein Kind, das eine kalte, schon abgestandene Mahlzeit in sich hineinzwingen muss, während es weint und würgt, wird sich höchstwahrscheinlich nicht besonders auf das nächste Mal freuen, wenn ihm etwas zu essen angeboten wird.

Die Idee, das ältere Kind mit Fernsehen oder Spielen abzulenken und währenddessen zu füttern, kann sehr verlockend sein. Obwohl das Kind dabei meistens nicht so gequält und zum Essen genötigt wird, und wir verstehen, dass man ab und zu auch gerne eine einfachere Ess-Situation hat, raten wir davon ab, dies zu oft zu machen.

Wenn wir während der Phase der Sondenentwöhnung mit Eltern arbeiten, sehen wir immer wieder, dass es sie am meisten belastet, wenn sie vermeintlich und tatsächlich durch Außenstehende verurteilt werden – sie leiden darunter, dass die Gesellschaft sie danach beurteilt, was ihr Kind isst und auch unter dem Druck von Freunden und Verwandten, die es eigentlich nur gut mit ihnen meinen.

Peter Scheer